Es ist schon soviel darüber geschrieben worden, dass Führungskräfte keine Coaches sein können, doch anscheinend läßt sich dieser Begriff nicht aus dem Führungvokabular tilgen.

Als ich vor kurzem mit Teilnehmern eines Workshops über Coaching sprach, erzählten mir diese, dass sich ihre Führungskräfte auch als Vertriebscoaches verstehen würden. In dieser Rolle würden Sie die Mitarbeiter bei Kundengesprächen begleiten, ihnen Feedback geben und ihre verkäuferischen Fähigkeiten fördern.

Als wir im Zuge des Workshops dann noch über den Unterschied von Feedback zu Kritik diskutierten, bestätigte sich mein Eindruck, dass es in vielen Unternehmen bei Management-Begriffen weniger darum geht, diese ihrer mehrheitlich zugeschriebenen Bedeutung nach zu verwenden. Wichtiger scheint zu sein, dass die Begriffe ein modernes Management-Image vermitteln und Hauptsache englisch sind.

Es geht mir hier nicht um Semantik, aber wie können Mitarbeiter Feedback als (freiwillige) Lernchance erkennen und nutzen, wenn ihre Chefs diesen Begriff euphemistisch für (anweisende) Kritik verwenden?

Das Gleiche gilt für Coaching. Ich will dazu die Definition des DBVC (Deutscher Bundesverband Coaching e.V) heranziehen: „(…) Ein grundsätzliches Merkmal des professionellen Coachings ist die Förderung der Selbstreflexion und -wahrnehmung und die selbstgesteuerte Erweiterung bzw. Verbesserung der Möglichkeiten des Klienten bzgl. Wahrnehmung, Erleben und Verhalten.“

Wieviel Freiheit zur selbstgesteuerte Erweiterung hat ein Mitarbeiter, wenn seine für Umsatz- und Zielerreichung verantwortliche Führungskraft ihn coacht? Wo bleibt hier die dem klassischen Coachingverständnis innewohnende Absichtslosigkeit?

Nennen wir die Dinge doch bei ihren richtigen Namen, denn dadurch erhöhen wir auch die Vielfalt unserer Führungsinstrumente. Statt Kritik und Feedback in einen Topf zu werfen, sollten wir beide Begriff ihrer Bedeutung und ihrem Konzept entsprechend getrennt verwenden und bekommen dadurch ein wertvolles und wirksames weiteres Führungsinstrument.

Ebenso sollten wir Coaching zu einem freiwilligen Angebot im Unternehmen machen, das Mitarbeiter bei Bedarf einfordern können – von einem professionellen Coach ihrer Wahl. Die Führungskräfte haben dadurch einen Rollenkonflikt weniger und gewinnen stattdessen in den Augen ihrer Mitarbeiter an Glaubwürdigkeit. Und nennen wir die wichtige Unterstützung, die sie bislang und auch weiterhin Ihren Mitarbeitern im Vertrieb geben, doch einfach Mentoring.

By |2016-06-22T10:20:02+00:0023/07/2014|Categories: Führung|Kommentare deaktiviert für Wenn Führungskräfte „coachen“ sagen und „führen“ meinen

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Christian